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Geschichte

Diese ehemalige Gemeinde und die dazugehörenden Ortschaften sind die am frühesten beurkundeten Siedlungen in unserer Gegend. Wo der aus dem Schiltberger Forst konmmende Gerolsbach beim Bauernhof Leithen (Nr. 42) den „Pach des Munno“ aufnimmt, den früher ziemlich wasserreichen Munin. oder Singenbach, da hat Herr Muninperth sein Landgut errichtet, Helmker, sein Nachfahr, etwas oberhalb (480 Meter) St. Petrus zu Ehren ein Gotteshaus gebaut und es datiert mit seinem ganzen Erbbesitz in“ Villa Munninpah“, in „Reodir“ (Duckenried) und zwei weiteren benachbarten Orten. Er hatte dazu eigens die Bewilligung von Herzog Tossilo eingeholt. Diese Kirchengründung und Datierung wurde von dem Mönch Cozroh, dem Schreiber des Freisinger Bischofs Atto, im Jahre 784 aufgezeichnet. Dem Hochstift zu Freising waren nämlich Kirche und Besitz zu eigen gegeben. Als erster Priester wird der „Cleriker Muniperth“ genannt. Dessen Nachfolger, der Priester Erchanfried, erneuert 800-850 alle Schenkungen und erweitert sie.

Im 11. Jahrhundert haben dann die Edlen von Munninpach den Besitz als Freisinger Lehenträger genutzt und zu einer geschlossenen Hofmark ausgebaut. Als Wohnsitz haben sie sich vermutlich damals oben auf dem Thurnberg eine befestigte Burg gebaut. Drei Ottone von Munninpach sind von 1190 bis 1280 beurkundet und im Indersdorfer Kreuzgang begraben. 1422 kommt die Hofmark Singenbach, wohl durch Erbteilung, an die Herren von Frauenberg-Taufkirchen. Ein Mitglied dieser Familie, die Freiin Kyberg, verkaufte davon „. ..die Mühl, Güter und Hofstätten und ein Vierteil am Turm und Burgstall, das alles erblich an sie kommen was. ..“, dem Ritter Matheusen von Camer, gesessen auf Jetzendorf. Dieser und sein Sohn Jakob brachten die Hofmark wieder hoch, übten die niedere Gerichtsbarkeit, und als sie 1472 der Landrichter „in Visitiere“ nahm, stellte er ihr ein gutes Zeugnis aus:“. ..das slozz ist Jakoben, Ritters ze Jetzindorf, hat ze Munenpach drei Maier, acht Lehen, ein Aigen und die Hof-Tafern, die paut derzeit Johannes Leitgeb, des von Cammer Knecht.“ Sein Enkel heiratete 1508 eine Schluderin von München, eine reiche Witwe: „Die hat ihm viel Guts zubracht“. Er aber, Vater Veit und sein Sohn Christoph aus zweiter Ehe, haben gar übel gehaust, haben „das erobert Gut und Geld fein verdestilliert“. Christoph hatte eine uneheliche Tochter des bayerischen Herzogs Wilhelm zur Frau. Beide zeigten große „Lust am Gejaid und gar wenig Achtung auf ihr Haushaltung“. Sie mußten 1550 ihren Besitz verkaufen: Munnepach an die Seepöckhen, Jetzendorf an die Zillnhard und sogar noch ihr Stammschloß Camer {Hohenkammer) mit Hofmark an die Haslang. So kam der letzte Ritter von Camer, Herr Christoph, Landpfleger von Pfaffenhofen, 1568 Schulden und Liederlichkeit halber auch noch vom Pflegamt und „beheuratet sich letztlich mit seiner Dirn“; er starb 1584 als letzter seines Namens.

Auf Muninbach aber regiert Thomas Seepöck. Er läßt die alte Vest und den Purgstall einebnen und baut sich als Wohnsitz ein hübsches kleines Renaissance-Schlößchen. Anno 1558 schenkt er Schloß und Hofmark seiner Tochter, die sich mit Johann Christoph Lösch von Hilgertshausen verheiratet. Der übersiedelt nach Minnenbach, tauft es um in Singenbach (um 1580) und regiert als strenger Hofmarksherr. Später wird er Kastner in Aichach, dann Landpfleger in Kelheim und übergibt Sitz und Hofmark Singenbach 1601 an seinen Sohn Georg Sigismund Lösch. Der bringt es bei Hof noch weiter als sein Vater, wird kurfürstlicher Hofkammerrat, Pfleger und Kastner zu Deggendorf. Doch versagt ihm das Schicksal Erben. Und so ziehen in Singenbach mit den Herren von Raindorf abermals ortsfremde Schloßbesitzer auf; sie wirtschaften ganz schlecht, so daß die Hofmark, völlig verschuldet, auf die Gant kommt. Hofkommerdirektor und kurfürstlicher Rat Johannes Niedermair kauft sie, und sein Geschlecht hat dann endlich sieben Generationen lang bis zur Aufhebung der Grundherrschaften die Hofmark Singenbach glücklich regiert; sie waren große Wohltäter der Gemeinde. Trotzdem mußten sie 1849/1852 unter Drängen der rebellierenden Singenbacher Bauern das Schloß verkaufen und den Grundbesitz zertrümmern. Das Patronatsrecht über die Pfarrkirche gaben sie 1861 an den König ab.

Hören wir noch, was Michael Wening über die beiden Kirchen in Singenbach 1698 zu sagen weiß: “ In der Pfarrkirchen ist die Mutter Gottes, in der Dorfkapell aber St. Stephanus Schutzpatron. Es findet sich auch allhier ein und anderer Grabstein der alten Hofmarksherren. Bei Unserer Ib. Frauen Pfarrkirchen wird ein Original-Pfeil von St. Sebastian aufbehalten, welchen das löbliche Kloster Hohenwart gar zierlich hat fassen lassen.“ Einer alten Ortssage nach sollte Maria Zell auf dem Thurnberg errichtet werden. Himmlische Geister hätten aber das Bauholz auf die Muninpecker Zell getragen. Das Dorfkirchlein erfreute sich seit alters besonderer Förderung durch die Hofmarksherren. Es hieß immer schon und noch heute im Volksmund das „Kapei“. Sein wertvollster Besitz war ein Kreuzpartikel „in einem kleinen Altärl von Messing, in Feuer vergoldet, mit großen guten Perlein gefasset, mit einem Glas versehen und außenher mit Silber in erhebter Arbeit beschlagen“. Das Kapei ist heute noch eine Schatzkammer an spötgotischen und Renaissance-Schnitzwerken. Die Fresken im Chor und an der Decke sind leider verschiedenen Erneuerungen zum Opfer gefallen.

Unmittelbar an den Hügel, auf dem das „Kapei“ steht, schließt sich der sogenannte „Schatzberg“ an. Warum er so heißt? Es soll dort ein Schatz vergraben liegen. Daran glaubte der Landpfleger von Schrobenhausen, Ritter Veit von Seyboltstorf, so fest, daß er anno 1520 mit dem Singenbacher Schloßherrn Veit von Camer einen Tag vereinbarte: „wann man wöll den Schatz zu Minnenpach graben und heben“. Zweimal sind sie hinausgeritten, das erstemal der Amtmann Jörg Grienärml mit Georg Oertel, Landamtmann von Schrobenhausen, und Ritter Sigismund Auerberger von Sattelberg, der Landrichter; das zweitemal ist der Landpfleger, der Seyboltstorfer, selbst mit hinausgeritten -lauter hochmögende Herren also. Leider wissen wir nicht, ob sie den Schatz gefunden haben, wohl aber, daß sie in der Hoftafern eine ausgiebige Zech und Zehrung machten. Nahe beim „Schatzberg“ gibt es heute noch den Flurnamen „beim Landsknecht“: 1515 wurde dort ein Landsknecht erschlagen. Die unterhalb gelegene „Straß-Kapell“ barg in alter Zeit ein viel verehrtes Bild der wundertätigen Muttergottes.

Sehr groß war ursprünglich der Güterbesitz des Pfarrgotteshauses selbst. Der Weiler Ankertshausen, 500 Meter hoch an der westlichen Flurmark gelegen, 1039 bis 1283 als „Hunprechtashusun villa“ beurkundet, gehörte mit vier Huben zur Pfarrkirche, der Einödbauer zu Oberzell (Nr. 52) leistete Groß- und Kleinzehent. Anno 1369 hat Ritter Wernher der Munnepeck den Maierhof Obenpuech {heute Oberbuch Nr. 58) nach St. Andrae in Gerolsbach, vom Maierhof „zu der Leiten“ aber den Großzehent nach U. Ib. Frau gestiftet und außerdem seinen Hof Dallach (490 Meter) als ganzes Heiligengut samt Zehent der Pfarrkirche geschenkt; interessant die Formen, in welchen der Ortsname Dallach auftritt: Tallern, Dällen, zum Dallach, Dala, Thalbauer. Der Weiler Wolfertshausen endlich mit seiner Ausbruchssiedlung E u I e n t h a I ist das frühest beurkundete Stück Bauernland zwischen Scheyern und Wittelsbach. Zu einer Zeit, da über weiten altbayerischen Gauen noch tiefes Dunkel liegt, am 12. Februar 748, wird Uuolfperhteshusun der Freisinger Marienkirche übergeben.

Diese wichtige und hochinteressante Urkunde ist nicht nur die allerälteste weit und breit, sondern auch der zweitälteste Schenkungsbrief des eben von Bonifatius gegründeten Bistums Freising. Stifter war Amilo, der allen von seinem Vater Uuolfperht ererbten Eigenbesitz nach Freising gibt. Die Schenkung erfolgte in Gegenwart des Bayernherzogs Oatilo in die Hände des Bischofs Joseph von Freising. Eine Generation später erneuert der Edle Uuolfperht die Schenkung seines Onkels. Schon im 13. Jahrhundert löst sich aus der Wolfertshausener Flur der Westflügel heraus und wird als „Ulentale“ zu einem Edelsitz der Ritter Cuonrad, Friedrich und Luipold, genannt die Uelentaler (auch Aulentaler), die u. a. auch in Augsburg reichen Besitz hatten. Die mittlere Flur trug ehedem den Herrensitz „Haus“, ein Lehengut von Freising, mit dem Zehent zur Pfarrkirche Singenbach dienend; schon im 14. Jahrhundert verödet dieser Hof.

Allerältester Kulturboden, schon von den Weidebauern der Bronzezeit und Hallstattzeit vor mehr als 3000 Jahren bewirtschaftet, sind die Fluren von Weilerau (Nr. 55) und Pitzlhof (Nr. 54), von Duckenried (Nr. 50 und 51) mit Zierberg und der Zaderhof (Nr. 57). Nach dem Stande vom 22. März 1861 umfaßt die Gemeinde Singenbach insgesamt 3000 Tagwerk. Davon treffen auf die drei obengenannten Weiler, alle in gleicher Höhenlage und mit leichten Lößböden, rund 600 Tagwerk, also ein Fünftel der Gesamtflur. Der Oberweilerauer Herrensitz gehörte von 1239 bis 1803 dem Kloster Scheyern. Niederweilerau, um 1400 aus ersterem ausgebrochen, erhielt den Ortsnamen Putzenhofen, heute Pitzlhof, war Lehen der Massenhauser und wurde Heiligengut des Aichacher Bürgerspitals. Vor diesen beiden Bauernhöfen baut sich der Zierberg (508 Meter) auf, eine Waldkuppe, auf der es geistert und spukt. Sie trug einen alten Burgsitz, dessen letzte Ritter, Humpert und Heinrich die Zierperger, ihr Erbe zertrümmerten und dabei ein Dritteil ihrer Pfarrkirche schenkten. Der Zierberg ist übrigens die einzige Singenbacher Flur, die noch im 15. Jahrhundert an die Freisinger Hochkirche jährlich fünf Silberdenare zinste. Duckenried, ursprünglich ein großer Bauernhof, geriet durch Erbteilung kurz vor der Reformation in Abhängigkeit von der Hofmark Singenbach, mit der dann beide Höfe in Wasser- und Weideprozesse verwickelt wurden. Der dortige Bachgrund trocknete mehr und mehr aus, so daß man das „eingetrucknet Riedl“ ab 1587 “ Duckenried“ bezeichnete. 1869 genehmigte das Bezirksamt Schrobenhausen den Duckenriedern den Betrieb einer Ziegelei.

Der vornehmste und seit vorgeschichtlicher Zeit unter Kultur stehende Adelsbesitz der reichen Hofmark liegt auf dem Höhenzug südlich Schardling (512 Meter) bis Zaderhof, mit Maria Zell inmitten, noch im 14. Jahrhundert „Munin-Zagel“ genannt. Er trug das Richtburgholz, den Galgenberg, zu einer Zeit, als die Munninpekken noch das Hochgericht besessen haben; er trug auch die bronzezeitlichen Grabstätten auf Höhe 506. Maria Zell mit dem Pfarrwidem und dem Messenhaus war ein landgerichtischer Sitz, und der gesamte Ostflügel mit dem Großmaierhof „Zaglbauer“ (Nr. 57) gehörte als freies Eigen bis Ostern 1342 den Rittern von Munenpach. Die wechselvollen Geschicke der ansehnlichen Bauerngüter, die heute nur noch einen Rest großer Vergangenheit spiegeln, sind damit nur angedeutet worden.

Quelle:

„Landkreis Schrobenhausen – Vergangenheit und Gegenwart“, erschienen 1963 im Verlag für Behörden und Wirtschaft R.A. Hoeppner, Pörsdorf b. Aßling/Obb.

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